Es gibt Comebacks – und dann gibt es das, was Stefan Raab im Herbst 2024 veranstaltet hat. Der Mann, der 2015 mit „TV Total” die deutschen Bildschirme verlassen hatte, kehrte auf eine Art zurück, die das Internet kollektiv in Aufruhr versetzte: mit einem Boxkampf gegen Regina Halmich, einem Fünf-Jahres-Vertrag mit RTL und dem Anspruch, das Unterhaltungsfernsehen neu zu definieren.
Jetzt, Mitte 2026, lohnt es sich, Bilanz zu ziehen. Was hat das Comeback wirklich gebracht? Warum schweigen RTL und Raab auf einmal? Und was erwartet uns noch?
Der Knall: September 2024
Der 14. September 2024 war kein normaler Fernsehabend. Auf RTL boxte Stefan Raab gegen die ehemalige Box-Weltmeisterin Regina Halmich – und verlor. Aber das war egal. Das Spektakel selbst war der Sieg.
Millionen Menschen saßen vor dem Fernseher, die seit Jahren keine Raab-Show mehr gesehen hatten. Das Internet explodierte. Und RTL hatte genau das bekommen, was es sich erhofft hatte: einen Beweis, dass Stefan Raab im Jahr 2024 immer noch Quoten ziehen kann wie kaum jemand sonst.
Was dann folgte, war weniger eindeutig.
Die Shows: Erfolg mit Rissen
Nach dem Boxkampf startete die Show „Du gewinnst hier nicht die Million bei Stefan Raab” – ein Format, das zunächst gut lief, aber bald eingestellt werden musste. Der Nachfolger, „Die Stefan Raab Show”, startete im Herbst 2025 wöchentlich mittwochs um 20:15 Uhr auf RTL.
Die Themen waren breit: Bodybuilding, MMA, Deutsch-türkische Freundschaft, sogar „Mystery-Boxen”. Gäste wie Elton und Jimi Blue Ochsenknecht sorgten für Gesprächsstoff. Doch die Quoten erzählten eine andere Geschichte: In den vergangenen Monaten hatte Raabs Show merklich an Strahlkraft verloren.
Das Publikum, das beim Boxkampf noch jubelte, schien sich satt gesehen zu haben.
Ähnlich widersprüchliche Karriereverläufe kennt man auch von anderen deutschen Medienpersönlichkeiten – wie wir in unserem Porträt über Manu Reimann: Der Schlaganfall, den es nie gab beschrieben haben.
Dezember 2025: Das Schweigen beginnt
In seiner letzten Show des Jahres 2025, ausgestrahlt am 17. Dezember, verabschiedete sich Stefan Raab mit einem klaren Versprechen: „Für dieses Jahr war es das. Aber keine Angst, wir kommen natürlich zurück.”
Doch dann: Stille.
RTL kommunizierte keine konkreten Sendetermine. Die Ticket-Plattform „raab-tickets.de” blieb leer. Auf Nachfrage von Medien hielt sich ein RTL-Sprecher bedeckt und verwies auf Standardprozesse: Man werde die Sendetermine „wie immer rechtzeitig im entsprechenden Programm-Vorlauf” kommunizieren.
Eine Antwort, die nichts sagte. Und damit alles andeutete.
Januar 2026: Die Rückkehr – mit Fragezeichen
Mitte Januar 2026 gab RTL schließlich bekannt, dass die „Stefan Raab Show” am 11. Februar 2026 in die Primetime zurückkehren würde. Trotz schwacher Quoten. Trotz Umstrukturierungen bei RTL Deutschland, wo rund 600 Stellen gestrichen wurden, darunter 230 allein bei RTL News.
Gerade dieser Kontrast sorgte für Unmut. Während Kollegen ihre Jobs verloren, blieb Raabs Vertrag unangetastet. Auf den Social-Media-Kanälen der Betroffenen häufte sich Kritik: „Hoffentlich wird Stefan Raab auch gestrichen!” war eines der milderen Kommentare.
Raab selbst schwieg. Und machte seine Show.
Wer verstehen will, wie Karrieren in der deutschen Medienlandschaft funktionieren, findet in unserem Artikel über Markus Lanz Krebserkrankung: Was stimmt – und was nicht interessante Parallelen über den öffentlichen Druck auf TV-Persönlichkeiten.
Wer ist Stefan Raab wirklich?
Um das Comeback zu verstehen, muss man den Menschen dahinter kennen.
Stefan Raab wurde am 20. Oktober 1966 in Köln geboren. Seine TV-Karriere begann 1993 als Moderator bei VIVA. Mit „TV Total” ab 1999 auf ProSieben wurde er zur nationalen Institution – witzig, frech, manchmal grenzwertig, immer anders als alle anderen.
Er war Moderator, Produzent, Songschreiber und Formaterfinder in einem. Ihm verdanken wir die „Wok-WM”, den „Bundesvision Song Contest” und – das ist vielleicht sein bleibendstes Erbe – den ESC-Sieg von Lena Meyer-Landrut 2010 mit „Satellite”.
Als er 2015 aufhörte, glaubten viele, das sei für immer. Es war nicht für immer.
Was sagt RTL? Was plant Raab?
Fünf-Jahres-Vertrag, laufende Produktion, regelmäßige Sendetermine – auf dem Papier ist alles klar. In der Praxis ist das Bild deutlich unruhiger.
Die „Stefan Raab Show” läuft. Aber ob sie in ihrer aktuellen Form bis 2029 überleben wird, ist offen. RTL ist kein sentimentaler Sender – Quoten entscheiden, nicht Legenden.
Raab selbst gibt kaum Interviews, kommuniziert nichts über seine Pläne und lässt die Gerüchte wachsen. Das kennt man von ihm. Es war schon immer sein Stil: Kontrolle über das eigene Narrativ zu behalten, koste es, was es wolle.
Mehr über aktuelle deutsche Fernsehentwicklungen finden Sie auf dem Portal Prisma.de, das regelmäßig über TV-Trends und Programmplanung berichtet.
Kann Raab das deutsche TV noch einmal retten?
Das ist die eigentliche Frage. Und sie ist keine rhetorische.
Das deutsche Fernsehen steckt in einer echten Krise. Streamingdienste, TikTok und YouTube haben das Zuschauerverhalten grundlegend verändert. Lineares TV verliert, besonders bei Jüngeren, kontinuierlich Relevanz.
Raab war nie nur ein Moderator – er war ein Formatdenker, jemand der Fernsehen neu gedacht hat. Wenn er das 2026 und darüber hinaus wieder tut, könnte er tatsächlich etwas bewegen.
Aber: Er braucht das richtige Format. Und RTL muss ihm den Raum geben, den er braucht. Beides ist noch nicht gesichert.
Fazit
Das Stefan Raab Comeback 2026 ist keine einfache Erfolgsgeschichte – aber auch keine Niederlage. Es ist das, was man von Raab immer kannte: ein laufendes Experiment, mit offenem Ausgang, mit hohem Risiko und dem Potenzial zu etwas Großem.
Die Quoten schwächeln. Die Stellen bei RTL werden gestrichen. Die Konkurrenz im Streaming ist stark wie nie. Und doch: Raab hat einen Vertrag, eine Bühne und – wenn er will – noch immer das Talent, das deutsche Fernsehen zu elektrisieren.
Ob er es nutzt? Das wird das Jahr 2026 zeigen.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wann kam Stefan Raab zurück ins Fernsehen? Stefan Raab kehrte im September 2024 mit einem Boxkampf gegen Regina Halmich auf RTL zurück. Im Anschluss folgten die Show „Du gewinnst hier nicht die Million bei Stefan Raab” und später die wöchentliche „Stefan Raab Show”.
Was ist die Stefan Raab Show? Die „Stefan Raab Show” ist eine wöchentliche Unterhaltungssendung auf RTL, die mittwochs um 20:15 Uhr ausgestrahlt wird. Raab behandelt darin aktuelle gesellschaftliche Themen mit Humor und lädt prominente Gäste ein.
Hat Stefan Raab einen Vertrag mit RTL? Ja – Raab unterzeichnete im Rahmen seines Comebacks einen Fünf-Jahres-Vertrag mit RTL. Der Vertrag läuft somit bis mindestens 2029.
Warum war Stefan Raab 2015 gegangen? Raab kündigte 2015 überraschend seinen Abschied von „TV Total” und dem deutschen Fernsehen an, ohne konkrete Gründe zu nennen. Er zog sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück.
Wie waren die Quoten der Stefan Raab Show 2025? Die Quoten entwickelten sich im Verlauf von 2025 rückläufig. Das ursprüngliche Format „Du gewinnst hier nicht die Million” wurde eingestellt. Auch die Nachfolgeshow kämpfte mit sinkenden Zuschauerzahlen.
Was hat Stefan Raab für den ESC geleistet? Raab war maßgeblich am ESC-Sieg von Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 in Oslo beteiligt. Er entdeckte sie, produzierte ihren Siegertitel „Satellite” und begleitete sie zum Wettbewerb – einer der emotionalsten Momente der deutschen Fernsehgeschichte.
Kommt Stefan Raab 2026 mit neuen Formaten? Konkrete Ankündigungen gibt es bislang nicht. RTL hat betont, Sendetermine rechtzeitig bekanntzugeben. Ob Raab völlig neue Formate entwickelt oder die bestehende Show weiterführt, ist zum aktuellen Zeitpunkt unklar.Share