Karl Dönitz gehört zu den wichtigsten militärischen Führungspersönlichkeiten der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Bekannt wurde er zunächst vor allem als Organisator und Befehlshaber der deutschen U-Boot-Waffe. Später stieg er zum Großadmiral und Oberbefehlshaber der Kriegsmarine auf. In den letzten Tagen des NS-Regimes erhielt Dönitz schließlich eine besondere historische Bedeutung: Adolf Hitler bestimmte ihn in seinem Testament zum Nachfolger als Reichspräsident.
Nach Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 übernahm Dönitz die Staatsgeschäfte. Seine Regierung mit Sitz in Flensburg existierte allerdings nur wenige Wochen. Am 23. Mai 1945 wurde Dönitz zusammen mit der Reichsregierung und der Wehrmachtsführung von britischen Truppen verhaftet. Später musste er sich im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess verantworten.
Wer war Karl Dönitz?
Karl Dönitz wurde am 16. September 1891 in Grünau bei Berlin geboren. Sein Vater war Ingenieur. Nach dem Abitur trat Dönitz 1910 in die deutsche Marine ein und begann seine militärische Laufbahn als Seekadett. Zwei Jahre später wurde er auf dem Kreuzer „Breslau“ eingesetzt.
Während des Ersten Weltkriegs sammelte Dönitz Erfahrungen im Seekrieg. 1916 wurde er zur U-Boot-Waffe versetzt. Im Oktober 1918 geriet er als Kommandant eines deutschen U-Bootes in britische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung blieb er der Marine verbunden und übernahm später verschiedene Kommandos und Stabsaufgaben.
Seine spätere Karriere war eng mit dem Aufbau und Einsatz der deutschen U-Boot-Waffe verbunden.
Karl Dönitz und die U-Boot-Waffe
Eine zentrale Station in der Karriere von Dönitz war das Jahr 1935. Nach dem deutsch-britischen Flottenabkommen übernahm er den Neuaufbau der deutschen U-Boot-Waffe. 1936 wurde er zum „Führer der U-Boote“ ernannt. Dabei setzte er unter anderem auf nächtliche Überwasserangriffe und die sogenannte Rudeltaktik, bei der mehrere U-Boote gemeinsam gegen alliierte Schiffsverbände vorgingen.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde seine Bedeutung weiter größer. 1939 wurde Dönitz zum Befehlshaber der U-Boote ernannt und war damit für Organisation und Operationsführung der U-Boot-Waffe verantwortlich.
Der U-Boot-Krieg sollte insbesondere die britischen Nachschubwege im Atlantik treffen. Deutsche U-Boote griffen alliierte Handels- und Geleitzüge an und versenkten zahlreiche Schiffe. Das Deutsche Historische Museum beschreibt die Erfolge der deutschen U-Boot-Waffe im Nordatlantik als erheblich, weist zugleich aber auf den Verlauf des gesamten Seekrieges hin.
Karl Dönitz und Adolf Hitler
Dönitz war kein Gegner des NS-Regimes. Das Deutsche Historische Museum bezeichnet ihn als überzeugten Anhänger Adolf Hitlers. Seine politische Nähe zum Regime zeigt sich unter anderem daran, dass er 1944 mit dem Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP ausgezeichnet wurde.
Diese Einordnung ist für die historische Bewertung seiner späteren Rolle entscheidend. Dönitz war nicht lediglich ein militärischer Funktionsträger, der ausschließlich operative Aufgaben wahrnahm. Er unterstützte das NS-Regime und blieb Hitler bis in die letzten Kriegswochen verbunden.
1943 wurde Dönitz zum Großadmiral befördert und löste Erich Raeder als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ab. Gleichzeitig blieb er an der Spitze der U-Boot-Waffe.
Warum wurde Karl Dönitz Hitlers Nachfolger?
In seinem politischen Testament bestimmte Adolf Hitler Karl Dönitz zum Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Hitler hatte sich am 30. April 1945 im Berliner Führerbunker das Leben genommen. Dönitz befand sich zu diesem Zeitpunkt im norddeutschen Raum.
Dönitz übernahm anschließend die Regierungsgewalt und bildete in Flensburg eine neue Reichsregierung. Seine Regierung wird häufig als Flensburger Regierung beziehungsweise letzte Reichsregierung bezeichnet.
Dönitz versuchte in den letzten Kriegstagen, zunächst Teilkapitulationen gegenüber den westlichen Alliierten zu erreichen. Sein Ziel war unter anderem, möglichst vielen deutschen Soldaten und Zivilisten aus den östlichen Gebieten den Rückzug nach Westen zu ermöglichen. Gleichzeitig wollte seine Regierung den Krieg gegen die Sowjetunion zunächst weiterführen.
Karl Dönitz 1945: Das Ende des Deutschen Reiches
Am 8. Mai 1945 erklärte Dönitz über den Rundfunk die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte. Damit endete der Zweite Weltkrieg in Europa.
Die Regierung in Flensburg blieb anschließend noch kurze Zeit bestehen. Am 23. Mai 1945 wurde sie von den Briten abgesetzt. Dönitz wurde gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Reichsregierung und der Wehrmachtsführung verhaftet.
Damit endete seine politische Funktion als letzter Reichspräsident des NS-Staates.
Karl Dönitz im Nürnberger Prozess
Nach dem Krieg wurde Karl Dönitz im Internationalen Militärtribunal in Nürnberg angeklagt. Der Prozess gegen die wichtigsten deutschen Kriegsverbrecher begann 1945.
Dönitz wurde unter anderem wegen Verbrechen gegen den Frieden und wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Das US Holocaust Memorial Museum berichtet, dass er in den Anklagepunkten zwei und drei schuldig gesprochen wurde. Das Gericht verhängte eine zehnjährige Haftstrafe.
Damit gehört Dönitz zu den hochrangigen deutschen Militär- und Staatsvertretern, die nach dem Zweiten Weltkrieg vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg zur Verantwortung gezogen wurden.
Warum wurde Dönitz nicht zum Tode verurteilt?
Im Gegensatz zu mehreren anderen Angeklagten erhielt Dönitz keine Todesstrafe, sondern zehn Jahre Haft. Seine Verurteilung bezog sich insbesondere auf die Anklagepunkte zu Verbrechen gegen den Frieden und Kriegsverbrechen.
Die Nürnberger Urteile unterschieden zwischen den individuellen Verantwortlichkeiten der Angeklagten. Deshalb fielen die Strafen unterschiedlich aus.
Dönitz verbüßte seine Strafe im Kriegsverbrechergefängnis Spandau in Berlin. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums wurde er 1956 aus der Haft entlassen.
Karl Dönitz nach dem Krieg
Nach seiner Entlassung lebte Dönitz zurückgezogen in der Bundesrepublik Deutschland. 1968 veröffentlichte er seine Memoiren unter dem Titel „Mein wechselvolles Leben“.
Das Deutsche Historische Museum weist darauf hin, dass Dönitz darin ein apologetisches Bild seiner eigenen Rolle zeichnete und sich als vom NS-Regime distanzierten Militär darstellte. Diese Selbstdarstellung ist deshalb von der historischen Forschung und den dokumentierten Fakten über seine Rolle im NS-Staat zu unterscheiden.
Dönitz blieb bis zu seinem Tod eine umstrittene historische Figur, insbesondere wegen seiner engen Verbindung zu Hitler und seiner Verantwortung als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine.
Wann starb Karl Dönitz?
Karl Dönitz starb am 24. Dezember 1980 in Aumühle in Schleswig-Holstein. Er wurde 89 Jahre alt.
Sein Tod erfolgte 35 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und rund 24 Jahre nach seiner Entlassung aus dem Spandauer Kriegsverbrechergefängnis.
Karl Dönitz: Steckbrief
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Name | Karl Dönitz |
| Geboren | 16. September 1891 |
| Geburtsort | Grünau bei Berlin |
| Gestorben | 24. Dezember 1980 |
| Sterbeort | Aumühle, Schleswig-Holstein |
| Beruf/Funktion | Marineoffizier, Großadmiral |
| Bekannt für | Befehlshaber der U-Boote, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine |
| Rang | Großadmiral |
| Politische Funktion 1945 | Reichspräsident |
| Amtszeit als Reichspräsident | Mai 1945 |
| Nürnberger Prozess | Schuldig in Anklagepunkten 2 und 3 |
| Haftstrafe | 10 Jahre |
| Haftort | Spandau |
| Entlassung | 1956 |
Die zentralen biografischen Daten stammen aus der Biografie des Deutschen Historischen Museums und dem US Holocaust Memorial Museum.
Häufige Fragen
Wer war Karl Dönitz?
Karl Dönitz war ein deutscher Marineoffizier und Großadmiral. Während des Zweiten Weltkriegs leitete er die deutsche U-Boot-Waffe und wurde 1943 Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Nach Hitlers Tod übernahm er im Mai 1945 als dessen testamentarisch bestimmter Nachfolger das Amt des Reichspräsidenten.
Wann war Karl Dönitz Reichspräsident?
Dönitz übernahm das Amt nach Hitlers Selbstmord Ende April beziehungsweise Anfang Mai 1945. Seine Regierung bestand nur wenige Wochen. Am 23. Mai 1945 wurde die Flensburger Reichsregierung von britischen Truppen abgesetzt und Dönitz verhaftet.
Was machte Karl Dönitz im Zweiten Weltkrieg?
Dönitz war vor allem für den deutschen U-Boot-Krieg verantwortlich. Ab 1939 leitete er als Befehlshaber der U-Boote deren Organisation und Operationen. 1943 wurde er zusätzlich Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und zum Großadmiral ernannt.
Wie wurde Karl Dönitz im Nürnberger Prozess bestraft?
Das Internationale Militärtribunal sprach Dönitz in den Anklagepunkten zwei und drei schuldig und verurteilte ihn zu zehn Jahren Haft. Er verbüßte die Strafe im Kriegsverbrechergefängnis Spandau und wurde 1956 entlassen.
Wann starb Karl Dönitz?
Karl Dönitz starb am 24. Dezember 1980 im Alter von 89 Jahren in Aumühle in Schleswig-Holstein.
War Karl Dönitz ein Anhänger Hitlers?
Ja. Das Deutsche Historische Museum bezeichnet Dönitz als überzeugten Anhänger Hitlers. Seine politische Nähe zum NS-Regime wird auch durch seine Auszeichnung mit dem Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP im Jahr 1944 dokumentiert.
Fazit
Karl Dönitz war eine zentrale Figur der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Seine Karriere führte ihn vom U-Boot-Kommandanten zum Befehlshaber der U-Boote, zum Großadmiral und schließlich zum von Hitler bestimmten Reichspräsidenten in den letzten Tagen des NS-Regimes.
Seine Rolle endete mit der deutschen Kapitulation und seiner Verhaftung im Mai 1945. Im Nürnberger Prozess wurde Dönitz wegen Verbrechen gegen den Frieden und Kriegsverbrechen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung lebte er zurückgezogen in der Bundesrepublik und starb 1980 in Schleswig-Holstein. Seine historische Bedeutung bleibt eng mit dem U-Boot-Krieg, der Endphase des NS-Staates und dem Nürnberger Prozess verbunden.
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